Ade 2021 – Grüessech 2022!

Leben

Es ist so krass, was in diesem Jahr alles passiert ist und wenn ich so darüber nachdenke, dann kommt es mir nicht vor, als wäre das alles in einem Jahr geschehen. Kennst du dieses Gefühl? Gleichzeitig frage ich mich aber, wie das Jahr so schnell vorbeigehen konnte. Eigentlich kein Wunder, wenn man viel zu tun hat.

Der Rückblick

Goodbye Deutschland – Salut Schweiz

Wie im letzten Rückblick schon berichtet, zog der Kater bereits Dezember zu Edi. Und ich folgte Mitte Januar. Tatsächlich bin ich sehr froh, dass ich die Möglichkeit hatte, den Kater getrennt von mir umzuziehen, denn der eigentliche Umzugstag war sehr lang. Morgens gegen acht kam das Umzugsunternehmen, hat alles eingeladen und dann ging es gegen elf auch schon los zum Zollamt in Thayngen, wo mein Umzug abgefertigt werden sollte.

Aber ganz ehrlich? Das war schon sehr spannend mit den Umzugshelfern, denn sie sprachen nur wenig deutsch und das, obwohl ich ein deutsches Unternehmen gebucht hatte, mit guten Bewertungen auch bzgl. der Packer. Gerade weil es über Ländergrenzen ging, war es mir wichtig, dass ich verstanden werde. Wir haben uns mit Händen, Füßen, Deutsch- und Englischbrocken irgendwie durchgemogelt, sie waren auch sehr nett, wenn sie auch sehr geflucht haben am Anfang, weil der Chef wohl nicht genug Informationen weiter gegeben hatte. Gegen 14 Uhr kamen wir dann endlich am Zoll an.

Der Beginn von Passierschein A38

Zuerst wurde mir erzählt, dass ich ohne Arbeitsvertrag nicht einreisen könnte, was laut unserer Recherchen absoluter Humbug war, dann hätte ich mein Auto nicht direkt mitnehmen dürfen, weil ich es ja importiere und das geht nur, wenn ich schon einen gemeldeten Wohnsitz habe, Formulare mussten also korrigiert und neu gemacht werden.

Es dauerte ewig am Zoll und war eine immense Rennerei. Als dann die Unterlagen fertig waren gegen 16 Uhr musste ich noch ewig auf die Umzugsleute warten. Angeblich hätte ich sie für die Zollpapiere gebraucht, aber am Ende waren sie dann überflüssig. Also eine Stunde völlig umsonst gewartet. Gegen halb sechs ging es dann endlich mit den Fahrzeugen durch den schweizer Zoll und Richtung Bern. Noch mal ca. 2 Stunden zu fahren.

Im neuen Zuhause angekommen, legten die Packer noch mal richtig los und räumten alles direkt in die Wohnung. Wir haben nur noch grob koordiniert, wo was hinkommt, damit wir es zumindest ein bisschen einfacher haben, wenn es dann ums Ausräumen geht. Die Nachbarn von Gegenüber haben den Umzugshelfern dann noch einen kleinen Schluck zum Feierabend spendiert und wir sind dann nur noch todmüde ins Bett gefallen.

Die Leiden der jungen Züglerin

Montag hieß es dann zur Gemeinde und dann noch mal zum Zollamt, um das Auto einzulösen, völlig unnötige Strecke, weil ich finde, man hätte das auch einfacher regeln können. Aber gut, so war es nun erledigt und wir hatten einen etwa fünfstündigen Ausflug durchs Schneegestöber. Dann hieß es eigentlich nur noch ankommen und die ganze Bürokratie überstehen.

Ende des Jahres ging dann Passierschein A38 erneut los, um das Auto nun endgültig umzumelden. Mittlerweile zum gefühlten tausendsten Mal fand ich mich nun in Formularen wieder, die wiederum Formulare benötigten, von denen man vorher ruhig mal was hätte wissen dürfen, denn diese haben wieder andere Voraussetzungen, welche man gut schon mal hätte vorbereiten können.

Nun ist das also endlich abgeschlossen und es geht an den nächsten Passierschein A38, denn meine Aufenthaltsbewilligung will natürlich verlängert werden. Man bekommt gesagt, dass es nicht mehr benötigt, als dieses Formular mit Nachweis xyz um dann Wochen später zu erfahren, dass noch Unterlagen fehlen, welche ich aber erst im Januar nachreichen kann, weil die Gemeinde zu hat und per Mail ist dies nicht möglich. Manchmal weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Beziehung und Katzen

Seit Mitte Januar lebte ich nun also nicht mehr mit meinem Ex-Mann zusammen, der nun seit April auch offiziell mein Ex-Mann ist. Anfang Juni habe ich mich vor meiner Familie, meinem Ex-Mann und Freunden geoutet. Das war wahrhaftig nicht einfach für mich, aber es hat sich am Ende ausgezahlt. Manche tauen jetzt erst mit dem Gedanken auf, dass ich mit Edi zusammen bin, aber es wird und ich lasse ihnen die Zeit, die sie benötigen.

Ebenfalls im Juni sind Edi und ich in eine neue Wohnung gezogen, weil es einfach gar nicht mehr ging in der alten Wohnung. Der Vermieter war eine ganz eigene Hausnummer und seine Trampeltochter in der Wohnung unter uns galt schon als Lärmbelästigung. *tief durchatmen* Jedenfalls haben wir eine wunderschöne Wohnung gefunden, die gerade mal 100 Franken mehr kostet und das mit zwei Stellplätzen, mehr Platz und einer herausragend schönen Ausstattung. Ich liebe diese Wohnung immer noch.

Der Kater hat sich in beiden Wohnungen recht schnell eingelebt und Nilia in der neuen auch. Allerdings ist Nilia noch immer kein großer Fan von Hyde, wenn sie auch nicht ohne ihn kann. Aber zumindest können sie halbwegs nebeneinander existieren.

Freundschaft und Familie

Im Sommer war dann Kaddy bei uns zu Besuch. Weil wir von zwei Umzügen und blöden Umständen körperlich ziemlich angeschlagen waren, hat sie uns mit der Wohnung extrem unter die Arme gegriffen und ich könnte jetzt noch heulen, weil sie uns damit echt extrem Last von den Schultern genommen hat. Es war sehr schön, sie wieder hier zu haben. Wir haben mit ihr und Chris Malabende veranstaltet und auch sonst viel gezeichnet und Blödsinn gemacht.

Das Verhältnis zu Freunden (und auch Familie) hat sich durch den Umzug in die Schweiz schon enorm verändert und ja, ich vermisse vor allem Chris sehr. Gerade auch Corona macht es nicht so leicht, im Moment nach Deutschland zu fahren und man möchte ja auch seine Liebsten keinem größeren Risiko aussetzen als notwendig. Zumal die Inzidenzwerte in der Schweiz oft enorm hoch sind. *augenrollen* Aber das ist auch wieder ein anderes und viel anstrengenderes Thema.

Ich habe aber auch neue Leute kennengelernt, habe mich getraut, auf Facebook in Freunde-Gruppen einzutreten und anzufragen. Manches hat sich im Sand verlaufen, manche halten bis heute. In einer Pflanzengruppe habe ich eine liebe Freundin gefunden, die in Zürich lebt und mit der ich mich dann in Thun zum Pflanzentausch getroffen habe. Außerdem natürlich Edis Familie, Freunde und Arbeitskollegen. Alles sehr spannend und ich lerne verschiedenste Mundarten der Schweiz kennen.

Beruf

Eigentlich hatte ich einen Job in Aussicht, doch am Tag des Umzugs habe ich eine Absage bekommen: Einstellungsstopp wegen Corona. Jobsuche in der Schweiz war für mich noch mal ein ganz eigenes Erlebnis. Man bekommt nach über 200 Bewerbungen schon das Gefühl, dass man als Deutscher nicht gewollt wird. Selbst in Jobs, die direkt mit meinem gelernten Beruf zu tun haben, wurde ich abgelehnt, weil ich nicht das EFZ (Eidgenössisches Fachzeugnis) vorweisen kann.

Dabei gehört mein Beruf nicht mal zu den reglementierten Berufen, daher müsste ich ihn auch nicht anerkennen lassen. Wenn ich ihn freiwillig anerkennen lassen will, kostet das Hunderte Franken, die ich einfach nicht übrig habe. Damit mir am Ende nicht die Decke auf den Kopf fällt, bin ich dann regelmäßig mittags mit den Hunden eines Bekannten Gassi gegangen.

Ende des Jahres hatte ich dann ein sehr vielversprechendes Vorstellungsgespräch mit Probearbeitstag und schließlich auch den Job zugesagt. Es ist zwar nur ein Aushilfsjob, aber es ist ein Fuß in der Tür und wenn alles gut läuft, kann ich irgendwann aufstocken. Bald geht es los und ich bin schon ein klein wenig aufgeregt.

Gesundheit

Während der beiden Umzüge habe ich nicht auf die Ernährung und mein Gewicht geachtet. Also nicht so sehr wie noch im Jahr davor. Zehn Kilo hatte ich bis September wieder zugenommen und tatsächlich bis Jahresende auch fast wieder weg. Ich gehe in diesem Jahr mit einer Zunahme von 1,1 kg raus. Und ich finde das total okay, denn für die Abnahme hatte ich wirklich keinen Kopf mehr. Dafür ist das am Ende wirklich ein Ergebnis mit dem ich leben kann.

Allerdings hat in dem Jahr auch mein Körper an manchen Punkten gestreikt. Ich hatte vermehrt extreme Rückenschmerzen und konnte mir diese erst nicht erklären. Bis wir nach dem zweiten Umzug mal den Lattenrost neu eingestellt hatten und seither geht es besser. Außer ich gehe auf meine Menstruation zu, dann habe ich wieder Schmerzen. Doch hier habe ich einen Unterschied festgestellt, denn dieser Schmerz ist vor allem dann auf der rechten Beckenseite. Hierzu will ich noch recherchieren, also falls du das Problem kennst und Erfahrung in der Beseitigung des Schmerzes hast, lass mir gern einen Tipp da.

Neues ausprobiert

Abgesehen vom Auswandern und Job finden in der Schweiz? Während der Umzüge und ständigen Behördengängen blieb nicht allzu viel Zeit für anderes. Aber ich habe mich nach draußen gewagt, bin mit den bereits erwähnten Hunden Gassi gegangen, habe mich aus meinem introvertierten Schneckenhaus gewagt, um neue Leute kennenzulernen.

Außerdem habe ich mich dem Selbststudium gewidmet und das in vielen Bereichen wie Firmengründung, Zeichnen, Handarbeiten, Kräuterkunde, Pflanzen allgemein und vielem mehr. Apropos Pflanzen: Nachdem leider nicht all meine Pflänzchen den langen Umzug in die Schweiz überlebt haben, habe ich mir nach dem zweiten Umzug wieder ein paar angelacht. Hätte nie gedacht, dass ich wirklich mal eine Pflanzentante werde.

Tatsächlich habe ich dieses Jahr viele Dinge getan, von denen ich niemals dachte, dass ich sie jemals tun würde. Wie z. B. in die Schweiz ziehen, einen Job im Service in Erwägung ziehen, mit fremden Menschen zocken oder gar einen Rock tragen. Ich habe alles davon gemacht und bin immer noch über mich selbst verwundert. Auch Make-up kommt langsam wieder in mein Leben und mit Tagebuch schreiben habe ich auch angefangen.

Bei Kaddy habe ich mich mal wieder inspirieren lassen, was das Künstlerische angeht. Sie hat so tolle Tusche-Skizzen in ihrem Skizzenbuch und ich wollte das auch unbedingt ausprobieren. Hab mich aber nicht getraut, weil ich das Gefühl hatte, ich müsste mir da erst mal alles möglich aneignen. Dann hab ich auf Anraten von Kaddy einfach angefangen und mich von „perfekten Abmessungen“ verabschiedet und sie sehen super aus. Ich bin immer noch ganz verliebt. Aber auch digital und gerade im Bereich Portrait habe ich fleißig weiter geübt, nur kam dann wieder viel Gemeinderennerei dazwischen.

Veränderung

äußerlich

Endlich mal wieder die Haare geschnitten und mit Balayage in einem beerigen Farbton in Szene gesetzt. Die Friseurin hat richtig schöne Haarfarben, die sich tatsächlich auch einfach ausbleichen und nicht zu anderen seltsamen Farben werden. So wurde meine krachige Beere zum Jahresende hin eher zu einem Pastellton.

innerlich

In diesem Jahr bin ich so sehr gewachsen. Man könnte es wirklich zusammenfassen mit „Grenzen überschreiten“. Denn ich habe physisch eine Grenze überschritten, welche mich gelehrt hat, geduldiger zu sein und nicht nachzugeben. Man kann so gut vorbereitet sein, wie man will, wenn die andere Seite nicht mitzieht, muss man flexibel und hartnäckig sein. Es gab Menschen, die meine persönlichen Grenzen überschritten haben und hier musste ich erst einmal lernen, meine Grenzen zu wahren. Das klappt noch nicht immer, aber es wird besser.

Außerdem lerne ich gerade innere Grenzen zu sprengen. Grenzen, die ich mir selbst gesetzt habe. So zum Beispiel Röcke oder Make-up zu tragen. Ich darf mich für mich selbst hübsch machen, denn ich bin wertvoll! Und genau das war mein Wort des letzten Jahres. Und auch wenn ich manchmal an mir selbst gezweifelt habe, bin ich froh, dass ich wachsen konnte.

The Good & The Bad

Die schlimmsten Ereignisse

Zollabfertigung und Jobabsage am Umzugstag und die darauf folgende einjährige Arbeitslosigkeit, Passierschein A38 über das ganze Jahr verteilt, langanhaltende Rückenschmerzen und dadurch leider auch überteuerte, aber notwendige Umzugsfirma beim zweiten Umzug.

Die schönsten Ereignisse

In die Schweiz zu Edi gezogen, megageile Wohnung gefunden und einen zweiten Umzug gestemmt, habe die Weihnachtszeit wieder lieben gelernt und das nicht nur wegen unserem supercoolen Adventskalender und langsam hab ich auch endlich wieder einen Kopf für meine Hobbies.

Der Ausblick

Mein Wort des Jahres / Was ich mir für das nächste Jahr wünsche

Auch im vergangenen Jahr hatte uns Corona immer noch fest im Griff. Zwischen all den ganzen Unruhen, meinen Umzügen und sämtlichen Behördengängen habe ich oft mich dabei ganz vergessen. Deswegen steht für 2022 Selbstfürsorge als das Wort des Jahres für mich fest. Ich möchte mich darauf konzentrieren, was mir guttut und damit auch wieder mehr Zeit für meine Hobbies nehmen.

Was mir Angst macht

Abgesehen von der Pandemie? Meine finanzielle Lage. Aber nun habe ich einen Job ab Januar, der zwar erst mal klein anfängt, aber immerhin schon mal ein Anfang ist. Jetzt heißt es erst mal finanziell von dem vergangenen Jahr erholen und im Zweifelsfall immer mal wieder tief durchatmen.

Worauf ich mich freue

Vor allem freue ich mich darauf, wieder mehr zu lesen, meine Zeit mit lieben Menschen zu verbringen, meine Hobbies einfach wieder mehr auszuleben und darauf, mich noch ein bisschen besser kennenzulernen.

Ich wünsche Dir ein ganz wundervolles neues Jahr, auf das all deine Wünsche in Erfüllung gehen, du gesund und munter bleibst und wir auch im nächsten Jahr viel zu quatschen haben.

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